Was hindert uns, geliebt zu werden?

Viele Menschen sprechen und schreiben in der heutigen Zeit vom Unheil, das uns erwartet und welche machtvollen Strukturen dafür verantwortlich sind. Es ist ihr Versuch, die Welt aufzuklären und damit positiv zu verändern. Auch ich mache mir oft Gedanken darüber, doch ich merke immer wieder, dass meine Aufgabe diese Form der Informationsweitergabe nicht beinhaltet. Mich zieht und bewegt etwas anderes. Manch einer würde es womöglich als naiv und gar weltfremd bezeichnen, doch das stört mich nur wenig. Mein Augenmerk gilt der Liebe und auch wenn ich sie manchmal nicht fühle, weiß ich doch, dass sie immer allgegenwärtig ist und uns als Ausdrucksform sucht. Spirituelle Lehrer gehen da weiter und sagen, dass wir die Liebe sind. 

Doch wenn wir die Liebe sind, warum tun wir uns mit ihr so schwer und das obwohl wir sie doch alle suchen? Jeder sucht Liebe, auch wenn es nicht danach aussieht. Die große Frage lautet daher: Was genau ist Liebe und wo finde ich sie? Oder besser gesagt: Wie finde ich sie? Früher oder später beschäftigt sich jeder Mensch mit diesen Fragen und er sucht so lange, bis er sie gefunden und dann wieder verloren hat. Aber kann man die Liebe wirklich finden oder gar verlieren? Also wenn wir sie finden können, dann muss das wohl so sein, dass sie uns auch wieder abhandenkommen kann. Schimmert die Liebe also nur in bestimmten Momenten durch den unsichtbaren Vorhang des Mysteriums Leben? Und welche sind das? Oder hat die Liebe mit all unseren Gedanken über sie überhaupt nichts zu tun? Was genau macht sie aus? Wie fühlt sie sich an? Gibt es gar eine wahre und eine falsche Liebe, die es zu unterscheiden gilt? Über die Liebe zu schreiben, bringt auch meinen Verstand an seine Grenzen. Die Fragen allein machen ihn nervös. Und er sagt, dass dies eine schwachsinnige Idee von mir sei, die eh nicht umgesetzt werden kann. Aber warum tut er das? Was an der Liebe oder dem Versuch, sie erfahrbar zu machen, ist so beängstigend? Woher kommt die Angst? Was macht sie so gefährlich, dass wir uns nicht mehr in der Tiefe auf sie einlassen? Was steht ihrem Eintreten in unsere Erfahrungswelt entgegen? Ja, wir suchen sie unser ganzes Leben – in der Familie, in Partnerschaften, in unserer Beziehung zu Tieren, der Natur, unserer Arbeit oder dem Erfolg.  

Ich für meinen Teil habe sie dort nicht gefunden. Das bedeutet nicht, dass sie im Umgang mit meinen Nächsten wirklich fehlte. Im Gegenteil, doch sie erfüllte mich nicht und es blieb immer dieses Gefühl von nicht wirklich verstanden zu sein. Ja, wer oder was versteht uns schon ganz? Wir verstehen uns ja selbst nicht mal. Aber wenn wir doch die Liebe sind und sie trotzdem immer noch suchen, wer sind wir dann? Ja, wir sind Suchende, denn wir fühlen uns einsam, verlassen, nicht gesehen, wenig beachtet und verloren – kurz gesagt: ungeliebt! 

Also was tun, wenn wir doch selbst die Liebe sind und wir uns offensichtlich irgendwann verloren haben? Im Grunde ist es ganz einfach, zumindest für jene unter uns, die wirklich nach der Antwort suchen, denn hierfür braucht es nur drei kleine Fragen.

Die erste Frage lautet: „Was ist die Liebe für mich?“ und die zweite: „Wie möchte ich geliebt werden?“ Wenn wir uns trauen, diese Fragen zu beantworten, dann können wir erahnen, welche Bedürfnisse in uns schlummern und erfüllt werden wollen. Solange wir also noch von unseren Eltern, Partnern und Kindern erwarten, dass sie uns erfüllen, riskieren wir weiterhin, verletzt zu werden. Aber können wir unsere Bedürfnisse auch ohne den oder die Andere stillen?

Es gibt eine Menge Spiele der Bedürftigkeit und wir verschwenden viel Energie in Handlungen mit dem Ziel, dass unser Gegenüber sie befriedigt. Frust, Wut und Traurigkeit sind dann die Folge und wir schreiben die Geschichte des Nicht-Geliebten. Und dann verlieren wir uns im Kampf, wo wir die Schuld auf unser Gegenüber schieben und uns selbst in der Opferrolle sonnen. Aber genau hier wird es wirklich spannend, denn jetzt stellt sich die letzte und allerwichtigste Frage: „Kann ich lieben, wie ich geliebt werden möchte?“ 

Wenn wir vom „Nicht-Geliebtsein“ sprechen, dann stecken wir genau an diesem Punkt fest!  Hier blockieren wir uns selbst! Wir laufen nämlich durch die Welt mit der Einstellung: „Gib mir! Gib mir! Gib mir!“ Aber sind wir wirklich in der Lage genauso zurückzugeben?

Auch ich war früher in dieser Haltung unterwegs, doch eines Tages verstand ich, dass mein Bedürfnis nach Liebe „Freiheit“ bedeutete. Das war fantastisch, doch konnte ich diese Freiheit meinem Gegenüber geben? Die Antwort lautet – nein. Ein anderes Bedürfnis war „Sicherheit“. War ich in der Lage, meinem Gegenüber diese bedingungslose Sicherheit zu schenken? Nein, im Gegenteil. Und das, weil ich noch Verletzungen des Verlassen-Werdens in mir trug und alles tat, damit mir das niemals wieder passiert. Ich war verletzt und deshalb wurde ich eine Meisterin darin, mich nie festzulegen und damit andere zu verunsichern. 

Welch traurige Wahrheit. Und doch ist es, wie es ist. Ich kam zu der Erkenntnis, dass ich in der Liebe nicht weiterkomme, wenn ich mir meinen Schatten nicht ansehe. Besser lieben heißt nämlich besser geliebt werden! Und solange wir meinen, nicht genug Liebe zu erhalten, geben wir noch nicht alles, was wir können. Dann halten wir uns aus Angst vor Enttäuschung zurück. Aber was genau ist Liebe nun? Können wir sie im Alltag erfahren? Kannst Du das? Hast Du schon mal jemanden wirklich zugehört? Hast Du schon mal voller Anteilnahme dem Leid eines anderen Menschen beigewohnt? Grüßt Du eine Nachbarin am Vorbeigehen oder fütterst Du einen freilaufenden Hund? Oder hast Du schon mal einem Kind beim Spielen zugesehen? Was nimmst Du wahr, wenn Du durch einen Wald läufst?

Wenn Du all das schon mal getan hast, dann kennst Du auch die Liebe. Und um sie wirklich in der Tiefe zu erfahren, müssen wir uns diese kleinen „scheinbar“ unwichtigen Momente bewusst machen. Lieben kann jeder, nur die Liebe kann erst fließen, wenn wir jegliche Erwartungen an das Leben und unsere Selbstverbiegungen, um anderen zu gefallen, beiseitelegen. Stattdessen reden wir zu viel und unterbrechen andere mitten im Satz, weil wir meinen, gleich etwas kommentieren zu müssen. Wir laufen blind und in gedankenverloren durch die Stadt und bemerken nicht, wie das Eichhörnchen auf einen Baum huscht. Was ist nur aus uns geworden? Wer oder was hat uns so sehr enttäuscht, dass wir die Liebe als gefährliches Wagnis empfinden? Und brauchen wir unbedingt den oder die Andere, um lieben zu können?

Ich sage, nein. Aber „Du bist der Filmemacher und siehst nur, was Du im Geiste bist!“ Durch Dein Gegenüber kommst Du in Berührung mit den Wunden, die in Dir noch nicht verheilt sind und die Dich – wenn Du sie nicht schließt – weiterhin zu neuen Enttäuschungen führen. Dein Gegenüber, wer es auch immer sein mag, holt unbewusst Deinen Schatten und damit auch Deine verborgenen Fähigkeiten ans Licht und dank ihm oder ihr darfst Du Dir selbst in der Tiefe begegnen. 

Nur wer sich ganz auf eine Begegnung einlässt – und das immer und immer wieder – kommt sich selbst am Nächsten und wenn wir durch unsere Angst vor Verlust, Entzug und Ablehnung hindurchgehen, erfahren wir, wer wir wirklich im Innern sind – nämlich durch und durch liebende Wesen. So kann jeder Mensch, jedes Buch, ein Vortrag oder gar eine TV-Sendung eine Chance für die Liebe sein. Wenn wir verstehen, dass unsere Zurückhaltung und die Verurteilung anderer, immer nur uns selbst betrifft, dann kann Liebe wieder fließen und die äußere Welt vereint sich mit der inneren. 

Buch: „Du bist der Filmemacher und siehst nur, was Du im Geiste bist!“

 

Veröffentlicht von

Peggy Rockteschel

PEGGY ROCKTESCHEL Autorin, individuelle PR und Glückbringer.in "Jeder Mensch hat tief in sich eine Idee, von dem, was er sein will und warum er hier ist. Ich begleite Dich auf dem Weg des Erkennens und das Umsetzen in die gelebte Erfahrung. In einer INDIVIDUELL gestalteten BERATUNG erhältst Du das Werkzeug zur KLÄRUNG Deiner persönlichen Themen und lernst das Wahr-Nehmen Deiner beruflichen MÖGLICHKEITEN."