VERGEBUNG – Ein Wort, das der Heilung bedarf!

O-Ton einer verzweifelten Stimme: „Ich krieg das mit der Vergebung nicht hin. Bei mir funktioniert das nicht. Gibt es da nichts Besseres? Es muss doch eine andere Lösung geben!“

So geht es vielen Menschen. Sie haben ihre Probleme mit VERGEBUNG. Manche schrecken förmlich zurück, wenn sie das Wort hören und sagen dann: „So ein Quatsch!“ Oder sie entgegnen: „Ich hab doch längst vergeben!“ Und wir neigen dazu, ihren Worten Glauben zu schenken, doch ihr Gesichtsausdruck zeigt immer noch Wut. Es folgen Aussagen wie: „Ich habe längst damit abgeschlossen!“

Genau: AB-GESCHLOSSEN! Das haben sie getan. Sie haben ihr Herz ab- bzw. verschlossen und glauben das, was sie sich selbst einreden. Sie denken, dass Vergebung mit dem Kopf geschieht und wenn man es sagt, auch so ist!

Was genau bedeutet Vergebung eigentlich? Und warum ist sie im Gesundwerdenprozess so wichtig?

Dieser Frage nachzugehen, erschien uns sehr wichtig, denn viele Menschen haben mit dem Wort VERGEBUNG ihre Probleme. Dies kommt daher, dass sie die WIRKKRAFT der Vergebung noch nicht erfahren haben.

Viele Menschen glauben, Vergebung sei etwas Einseitiges. Sie denken, dass wenn sie vergeben, sie etwas von sich WEGGEBEN – also VERLIEREN, während der/die Andere, der/die uns Leid zugefügt hat, einfach so ohne Strafe davonkommt. Kurz gesagt: Die Annahme, leer auszugehen! Die Formulierung „ohne Strafe“ haben wir bewusst kursiv hervorgehoben, weil genau in diesem Denken der Irrtum liegt.

Der Begriff VERGEBUNG muss als Wort neu definiert und auf geistiger, emotionaler und physischer Ebene als fühlbar heilender Prozess verstanden werden. Denn das ist er. Wenn wir vergeben, dann geben wir nicht etwas fort, was uns gehört (oder auf das wir glauben, einen Anspruch zu haben) und stehen dann als die Verlierer da. Vergebung ist ein Akt der Gnade, die jedoch nicht von, sondern durch uns zuteil wird.

Wahre Vergebung im Herzen bedeutet, alle Aspekte einer Situation so zu betrachten, wie sie sind. Raus aus der Ich-Bezogenheit und zu einer höheren Sicht gelangen. Zuerst klar und ehrlich anerkennen, was man wirklich fühlt. Dann dem/der Anderen urteilsfrei zugestehen, dass er/sie so handelte, wie es ihm/ihr bestmöglich wahr.

Wir müssen das Geschehen weder für gut, noch für richtig heißen. Aber auch nicht als schlecht aburteilen, obwohl es sich schmerzhaft anfühlt. Es geht erst mal nur um die Annahme der Gefühle und der Tatsachen, wie sie nun mal sind. Beispiel: „Du hast das getan und das hat dies und jenes mit mir gemacht!“ Klare Beschreibung ohne Schuldzuweisung, denn diese bindet uns weiter an den Täter/ das Ereignis. Indem wir jemandem die Schuld zuweisen, ihn oder sie für schuldig erklären oder als schuldig be- und verurteilen, legen wir uns selbst in Ketten. Wir schwingen uns damit innerlich zu etwas Höherem auf – zu jemandem, der verurteilen darf. Wir spielen den Richter, weil wir der Meinung sind, besser zu sein als er oder sie.  Dieses Denken ist ein Muster des Egos und verfolgt nur ein einziges Ziel: „Recht haben zu wollen!“

Dahinter verbergen sich Gedanken wie: „Wenn Du schuld bist, dann geht es mir besser und ich selbst muss keine Verantwortung für meine Gefühle/Situation übernehmen und für eine positive Veränderung sorgen.

Vergebung bedeutet nicht, jemanden von seiner Tat freizusprechen und sie als ungültig oder als „wie nicht geschehen“ abzutun, denn das wäre auch eine Lüge. Die Tatsachen sprechen für sich. Aber wenn wir am Urteil darüber festhalten, binden wir die Schmerzenergie in uns und unsere wahren Gefühle können nicht geheilt werden. Sie werden nicht gefühlt, sondern auf Eis gelegt und verhärten somit unser Herz und unseren Körper. Dann werden wir unbeweglich, steif und stecken fest. Im schlimmsten Fall werden wir sogar krank.

Wahrhaft vergeben bedeutet: Die Bereitschaft, sich selbst aus der Situation herauszunehmen, zu akzeptieren, dass wir nicht alles im Leben verstehen (und auch nicht verstehen müssen) und das Geschehene an eine größere Kraft abzugeben. Damit haben besonders jene Menschen Schwierigkeiten, die einen tief verwurzelten Autoritätskonflikt in sich tragen. Solange wir glauben, im Recht zu sein und in einer emotional geladenen Situation das Wahre vom Falschen unterscheiden zu können, werden wir im Konflikt steckenbleiben. Mit anderen Worten, solange befinden wir uns in der Trennung, die sagt: „Du bist schlecht und ich bin gut!“

Wir können in Wahrheit einem anderen Menschen gar nicht vergeben, denn dies muss diese Person selbst tun. Sie muss sich selbst vergeben, um weiter zu kommen. Darum geht es. In dem Moment, wo wir das „Rechthabenmüssen“ aufgeben und zulassen, dass wir „NICHT ALLES verstehen“, öffnet sich unser Herz und wir können wieder Liebe empfangen und geben. Wenn wir bereit sind, die Tat nicht an den eigenen Wertemaßstäben zu bemessen, dann geschieht das Wunder.

In dem Augenblick, wo Du das Problem abgibst, weil Du einsiehst, dass Du es nicht allein lösen kannst, erfährst Du Vergebung. Die fesselnde Energie, die Dich an den Täter band, ist neutralisiert! Du bemerkst nur, dass es geschehen ist, weil Klarheit, Liebe und Leichtigkeit zurückgekehrt sind. Alle Bande sind gelöst.

Die ganze Tragweite der Vergebung erkennt man immer erst hinterher. Wichtig für das Gelingen ist jedoch:

  • Neutralisierung: Betrachtung ohne Urteil! Was ist passiert?
  • Gefühle zulassen: Was habe ich gefühlt? Was fühle ich jetzt?
  • Eigenreflexion: Was habe ich ihn/ihr getan und auch gleich getan?
  • Gründe der Dankbarkeit: Was hat mich der Mensch/die Situation (über mich selbst) gelehrt? Was wurde mir dadurch Positives zuteil? Wofür bin ich dankbar?

Wenn man sich diesen Fragen widmet und die Antworten aufschreibt, dann vollzieht sich bereits die innere Wandlung und die verhärtete Energie fließt wieder. Wenn Du also Schwierigkeiten mit VERGEBEN hast, dann versuchst Du nur, Dir einzureden, dass Vergebung nobel ist und dass ein guter Mensch das tun muss, aber Du hast nicht wirklich die Chance für Dich selbst darin erkannt. Du lässt Gnade walten, indem Du von oben herabsiehst. Du erhebst Dich über einen Menschen und lässt ihn durch Deine gewährende Stärke nur seine Schwäche spüren. Du spiegelst ihm seine Kleinheit und versetzt ihm einen Stoß. Doch das ist nicht Vergebung! Diese Haltung hinterlässt ein ungutes Gefühl, denn es ist eine Lüge, die Du vor Dir selbst verbirgst. Und der Konflikt schwillt im Verborgenen weiter und frisst an dir. Wahre Vergebung ist ein Akt des Loslassens, getragen von der Weisheit des Herzens mit der Einsicht, dass wir alle Menschen sind und Fehler machen. Nimm an und lasse zu, dass Du manchmal „gar nichts weißt“. Wenn Du das tief in Deinem Herzen fühlst und wirklich bereit bist, das „Rechthabenmüssen“ aufzugeben, weil das Leid so groß ist, dann gestehe Dir ein, dass es Deine Kräfte übersteigt. In diesem Augenblick geht das Leben weiter, denn Du hast Dein Urteil darüber, was Recht und was Unrecht ist, aufgegeben. Erst jetzt kann sich Dir die verborgene Wahrheit in der Situation offenbaren.

Wahrheit heilt! Aber solange wir noch unversöhnten Schmerz in uns tragen oder vor uns selbst verbergen, weil wir ihn nicht fühlen wollen, stecken wir fest. Und der Grad Deines Feststeckens / der Verhärtung im Außen spiegelt nur den Grad Deiner fehlenden inneren Bereitschaft, die Kontrolle abzugeben. Solange Du versuchst, den Anspruch auf das Opfersein geltend zu machen, verweigerst Du Dich selbst Deiner eigenen Kraft und Deiner Macht zur Veränderung.

Vergebung heißt HINGABE. Ja, ich GEBE mein Wissen, meine Überzeugungen, meine Geschichte über diese Person/Situation einfach AB! Ich gebe mich mit all dem hin  – an die Liebe, den Himmel, das Licht, das Universum, Gott … oder wie Du es auch immer nennen magst.

Um die Schwierigkeit des Loslassens und unsere Glaubenssätze im Hinblick auf VERGEBUNG tiefer zu erforschen, haben wir noch nachgeschaut, was denn das Herkunftswörterbuch über dieses Wort sagt und wir entdeckten Unglaubliches. Lesen wir die Definitionen langsam und laut vor, dann fällt es uns wie Schuppen von den Augen. Es wird deutlich, weshalb das Wort VERGEBUNG der Heilung und eines neuen Verständnisses bedarf. Und wir finden folgende Bedeutungskette: vergeben, vergebens, vergeblich – GEBEN.

Also sehen wir weiter nach unter dem Wort GEBEN und es eröffnet sich uns eine Welt mit erstaunlichen Informationen:

„Das Verb geben geht auf die Wurzel *ghabhfassen, ergreifen – zurück, vgl. z.B. ergreift, nimmt, fortbringen und lat. habere halten, haben, besitzen, dazu habitus Haltung, Aussehen, Kleidung, prae(hi)here darreichen, praebenda Darzureichendes. Das gemeingerm. Verb ist in der Lautung von der Wortgruppe von nehmen beeinflusst worden. Die Bedeutung darreichen, schenken hat sich aus „fassen, greifen, reichen“ entwickelt. Um geben gruppieren sich im germ. Sprachraum die Substantivbildungen Gift und Gabe sowie das Verbaladjektiv gäbe. Zusammensetzungen und Präfixbildungen: abgeben, einen Teil von etwas geben, weggeben; überreichen, überbringen; überlassen, zur Verfügung stellen; etwas sein; reflexiv „sich mit etwas befassen oder beschäftigen“ (mhd. ab(e)geben, ahd. abageban, dazu Abgabe, Angeber, mitteilen, vorbringen; bestimmen, sich wichtig tun, prahlen, dazu Angabe, Angeber und angeblich, vermeintlich, vorgeblich; aufgeben, auftragen zu tun, erledigen lassen; zur Beförderung geben, absenden; fahren lassen, preisgeben; vorzeitig abbrechen (mhd. üfgeben), dazu Aufgabe, ausgeben, fortgeben, vertun; bekannt geben; aushändigen, verteilen, ugs. auch für spendieren und für Ertrag geben, Gewinn abwerfen, dazu Ausgabe und ausgiebig, reichlich; begeben, in Umlauf setzen, (einen Wechsel oder dgl.), reflexiv sich ereignen; sich aufmachen, ziehen, gehen; aufgeben, fahren lassen; Begebenheit, Ereignis, beigeben, hinzufügen, zur Seite stellen; seine Ansprüche herabsetzen, sich bescheiden, sich fügen; eingeben, einnehmen lassen, einflößen; einreichen (mhd. hingeben), übergeben, dazu Eingabe, Eingebung, Gesuch, Einfall und Eingebung, Gedanke; ergeben, zum Resultat haben, zur Folge haben, zustande kommen; die Waffen strecken, sich beugen; sich hingeben, sich überlassen. Ergebung, ferner Ergebnis, ergiebig, ertragreich, fruchtbar, ergeben im Sinne von gefügig, in Treue zugetan, dazu Ergebenheit, Demut, Untertänigkeit, freigiebig, gern schenkend, großzügig; hingeben, fortgeben, verschenken, sich ganz gar widmen, sich opfern; Hingabe und Hingebung, man beachte hingebungsvoll; nachgeben, nicht standhalten, locker, schwankend, weich sein; sich abfinden, zustimmen, nachgeben – sich dem Willen anderer anzupassen; preisgeben; übergeben, überreichen, aushändigen; ausliefern; reflexiv sich erbrechen (übergeben); dazu Übergabe, umgeben, umringen, umschließen; umhüllen, eigentlich <<etwas um etwas herumgeben>>; dazu Umgebung, das Herumgeben, Umhängen; untergeben, Untergebene (der einem Vorgesetzten unterstellt ist); unter Aufsicht stellen, in den Dienst geben.

VERGEBEN: austeilen, verschenken; verzeihen; falsch geben, unrichtig austeilen. (mhd. vergeben, der Wortgebrauch im Sinne von <<verzeihen>> geht von der Vorstellung aus, dass man jemanden etwas schenkt, was man von ihm zu beanspruchen hat), dazu Vergebung und vergebens, umsonst, ohne Erfolg, ohne Wirkung, unentgeltlich, unnütz.“

Mit diesen Inhalten des Wortes VERGEBUNG wird auch die Zwiespältigkeit unseres Denkens bewusst. Wir erkennen zwei Ebenen, die es zu unterscheiden gilt: Die Kopf- und die Herzebene. Der Verstand kann VERGEBUNG nicht verstehen, weil sie für ihn mit Opfer bringen, aufgeben, nachgeben und Verlust zu tun hat. Das ist auch versta(e)ndlich, denn er ist für unser Überleben und für unsere Sicherheit zuständig. Das Herz hingegen möchte sich verströmen und ausdehnen, es möchte teilen, schenken, sich hingeben und vor allem lieben! Und aus dieser Sicht betrachtet, erhält die VERGEBUNG erst ihren wahren Platz bei der Lösung unserer Probleme und der Gesundung unseres Körpers, unseres Geistes und unserer Seele.

Vergebung bedeutet mehr als tausend Worte. Vergebung ist eine Erfahrung. Vergebung ist Liebe. Vergebung ist Medizin bei Krankheit und Not.

Vergebung ist die große Seelen-Heilerin, denn wer vergibt, der befreit sich selbst!

Die Wahrheisforscher

Diesen Beitrag schmückt und inspieriert das Motiv 38 „Heilung“ aus The Map, Weisheitskarten der Seele, von Colette Baron-Reid. „Vergebung ist die große Seelen-Heilerin.“

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Veröffentlicht von

Peggy Rockteschel

PEGGY ROCKTESCHEL Autorin, individuelle PR und Glückbringer.in "Jeder Mensch hat tief in sich eine Idee, von dem, was er sein will und warum er hier ist. Ich begleite Dich auf dem Weg des Erkennens und das Umsetzen in die gelebte Erfahrung. In einer INDIVIDUELL gestalteten BERATUNG erhältst Du das Werkzeug zur KLÄRUNG Deiner persönlichen Themen und lernst das Wahr-Nehmen Deiner beruflichen MÖGLICHKEITEN."

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